Krönungsmusik in der Festhalle in Albstadt - Ebingen

Krönungsmusik in Albstadt

Samstags noch bei einer gigantischen Vorstellung von Zimba, König der Löwen in Geislingen, hierzu gibt es einen gesonderten Bericht, und sodann am Sonntag Abend zur Krönung in Albstadt.
Welch eine fantastische Vorstellung wurde vom Konzertchor Eintracht Albstadt-Ebingen e.V. unter der Begleitung des Rastatter Barockorchesters abgeliefert.
Mit sorgfältig ausgewählten Stücken wurde ein kurzweiliges und mitreißendes Programm geboten.
Mit Stücken von Händel, Mozart und Salieri hat der Konzertchor erneut unter Beweis gestellt, dass dieser Chor seinen zementierten Platz in den Reihen der ganz großen Konzertchören innehat.

Begleitet von 4 ausgezeichneten Solisten,
Sopran: Stephanie Wunder,
Alt, Kerstin Wagner,
Tenor Mischa Kurt und
Bass, Marc Hagmaier,

wurde das Publikum mit Einzelstücken regelrecht von den Stühlen gerissen.
Alle Solisten zeigten eindrucksvoll, wie professionell und mit welch hoher Qualität die jeweiligen Stücke gesungen wurden, eine wunderbare Harmonie und Wärme zwischen den Solisten zeigte sich bei dem gemeinsamen Singen.;
Das Stück Zadok the Priest, mit den anfänglichen harmonisch und melodisch harmonisierenden Streichern beginnend, ließ nur erahnen, zu welch gewaltigem Stück diese Ausführung führen würde.
Mit den vollen Kräften des gesamten Chors wurde Zadok the Priest mit einer imposanten Darstellung inszeniert.
Der Abschluss mit Halleluja von Händel krönte einen außergewöhnlichen Abend mit einem fantastischen Barockorchester, Konzertchor Eintracht Albstadt,-Ebingen und die Solisten.
Vielen Dank an alle für diesen großartigen Abend.
Eindrücke des Präsidenten Michael A.C. Ashcroft

Zurückgeblickt wird auf das Konzert des Konzertchores Eintracht am Sonntag, den 27. Oktober 2024, das in der gut besuchten Festhalle Albstadt-Ebingen am frühen Abend stattfand.

  1. Die Konzertidee
    Die Musikveranstaltung war von zwei Grundideen geprägt: Mozart, Salieri und Händel wurden in eine Reihe gestellt. Mozart und Salieri, gerade nicht wie im Film „Amadeus“ von Miloš Forman aus dem Jahr 2002 als spinnefeindliche Antipoden, sondern als Komponistenkollegen der Wiener Klassik. Und beide bestehen kongenial nebeneinander, ohne dass ein künstlerisches Gefälle hörbar wird. Die gruseligen Geschichten, die der biographische Spielfilm über das Verhältnis zwischen Salieri und Mozart als freie "Filmstory" erzählt, halten neuerer musikhistorischer Forschung ohnehin nicht stand. Antonio Salieri wurde im 21. Jahrhundert in Italien neu als ein italienischer Klassiker wiederentdeckt, dessen Opern- und Kirchenmusik wieder zunehmend musiziert und positiv bewertet wird. Das Albstädter Konzert half, Salieri und Mozart auf Augenhöhe zu erleben, denn das Krönungs-Tedeum des einen hielt die Nähe der berühmten Krönungsmesse des anderen mühelos aus. Im wirklichen Leben des 18. Jahrhunderts hatten beide ihre Freude daran, auch miteinander etwas gemeinsam zu komponieren.

Aber auch Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart können gut in einem Konzert gleichzeitig nebeneinander bestehen. Instrumentierte Mozart doch den Messias von Händel neu und beschäftigte sich auf diese Weise eine Generation später mit dem sächsischen Barockmeister.

Und die zweite Grundidee war:
Die Inthronisation von weltlichen und kirchlichen Machthabern als das verbindende Element zwischen den insgesamt sieben Werken der drei Meister. Raffiniert dazu auch das Bühnenbild: drei große Kronen zu jeder Seite schmückten den Bühnenrand und rundeten damit auch optisch den Abend ab.

  1. Das Orchester
    Das Rastatter Barockorchester musizierte auf kostbaren historischen Instrumenten und auf Nachbauten, zumeist nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert. Hervorzuheben waren die beiden Barocktrompeten. Die Barockoboistinnen sind derzeit noch Schülerinnen aus der Klasse von Prof. Katharina Arfken an der Schola Cantorum Basiliensis und beherrschten ihre Instrumente aus hellem Buchsbaum in höchster Güte. Auch die etwas härteren Holzschlegel des Barockpaukers gaben ein Klangbild ab, das dem zupackenden Ideal des Barock und der Wiener Klassik recht genau entsprach; der Filz aus gebleichter Schafwolle am gedrechselten Schlägel kam erst in der Romantik auf. Es wurde frisch musiziert unter Leitung der Konzertmeisterin Katharina Rettberg. Die sogenannten „Orchesterraketen“, die im Rheintal des 18. Jahrhunderts entdeckt wurden, gelangen den Rastattern mit bewundernswerter Präzision und die nicht so schweren Barockbögen tanzten in unglaublicher Geschwindigkeit und charmanter Leichtigkeit über die Darmsaiten. Die Instrumente waren im alten Kammerton mit 415 Hertz gestimmt, was dem Chor natürlich auch entgegen kam.

  2. Der Raum
    Nicht leicht war es für alle Musiker, der trockenen Akustik in der Festhalle standzuhalten. Echter Hall entfaltet sich in dieser Halle nicht. Die textilbezogenen Stühle dämpfen, das volle Haus schluckt den Klang ebenfalls. Eigentlich entstand die komplette Musik des Abends für Sakralräume mit merklichem Nachhall. Gerade der Salzburger Dom, der einst mit seiner weiten Kuppel Schauplatz der Uraufführung von Mozarts Krönungsmesse war, lässt damit zusätzliche Klangentfaltung zu. Andererseits gilt in der Ebinger Festhalle der strenge und unerbittliche Lehrsatz: „You get, what you play!“ - Man hört an diesem Ort recht genau, was im Detail gespielt wird, ohne dass sich Nachhall dazumischt. Und das hatte natürlich auch seinen Reiz. Schnell merkte man, dass es niemand auf der Bühne nötig hatte, Unsauberkeiten mit Hall zu „verwischen“. Die Pünktlichkeit der Einsätze, die Präzision der Töne, die Intonation: alles war vorbildlich, sauber und perfekt einstudiert.

  3. Der Chor
    Der Konzertchor Eintracht zeigte, dass er inzwischen auch ein ernstzunehmender Chor für das Feld der historischen Aufführungspraxis geworden ist. Die Choristen haben es verinnerlicht, wie man musikalische Phrasen so angehen muss, dass das Klangbild des 18. Jahrhunderts daraus erwachsen kann. Eine große Leichtigkeit der Stimmführung mit mühelosen Höhen und profunden Tiefen, eine überragende Elastizität der Melodieführung, eine perfekte Synchronität bei den Fugen und eine herrliche Balance bei der Dynamik lassen keine Wünsche mehr offen. Auch die klare Diktion und die saubere Aussprache verstärken das perkussive Moment in der Musik. Der Dirigent Michael Diefenbacher hat den Orchesterklang und den Chorklang perfekt geformt und zusammengeführt, so dass ein beeindruckendes Ganzes am Ende entstehen konnte. Es entstand gleichzeitig der Eindruck, als musizierte der Albstätter Chor sehr regelmäßig mit dem Rastatter Orchester, was ja nicht der Fall ist. Die „Hochzeit“ aus Chor und Orchester wurde tatsächlich erst am Konzertwochenende gefeiert. Die Brücke zwischen den Klangkörpern bestand also ausschließlich in der soliden und genauen Arbeit des Dirigenten mit beiden Klangkörpern und dann natürlich auch in der achtsamen Sensibilität füreinander. Um im Bild zu bleiben: es war eine wunderbare Hochzeit trotz extrem kurzer Brautzeit.

  4. Das Publikum
    Es war einfach nicht zu bremsen! Obwohl man zwischen den Einzelsätzen der Krönungsmesse ganz bestimmt keinen extra Applaus spendet, ist genau das passiert. Das Publikum bedankte sich nach den Einzelteilen und man spürte, dass das alles von Herzen kam, dass es einfach „raus“ musste, Applaustabu hin oder her. Am Ende des Abends dann, nach Händels großem „Halleluja“ aus dem Messias, sogar „standing ovations“. Die Menschen blieben noch lange beim Sekt im Foyer und feierten das Kulturereignis.

Andreas Wiedenmann, Gammertingen, Oktober 2024

Fotos: Michael A.C. Ashcroft + Susanne Dickreuter

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Der Chorverband Zollernalb-Sigmaringen e.V. ist einer der 23 Verbände des Schwäbischen Chorverbandes. Er reicht von Empfingen bis Sigmaringen, von Schömberg bis Burladingen. In der Großen Kreisstadt Balingen hat er derzeit seinen Sitz. Das gemeinsame Singen und die Gemeinschaft stehen an erster Stelle.

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