100 Jahre Sängergau

Rückschau und ein Blick nach vorn

Der Zollernalbgau im Schwäbischen Chorverband wird heuer 100 Jahre alt. Sein Gründungsjahr 1910 reicht in eine ruhige friedliche Zeit zurück. Doch viele Jahre zuvor waren Singen und Chorgesang lebendiger Bestandteil in unseren Dörfern und Städten. In den Festschriften vieler Vereine wird auf den Bestand des Chorgesangesauf weit über hundert Jahre mit Stolz und Freude verwiesen. Begriffe und Namen wechselten, ebenso die geographischen Bereiche. Es gab den Schalksburg-Gau, den Hohenzollern-Schalksburg-Gau und den Zollern-Schalksburg-Gau. Die Schalksburg hat neben der Burg Hohenzollern eine wesentliche Rolle im politisch-kulturellen Bereich gespielt. Dies wurde von Historikern in hinreichendem Maße erhellt. Die Chöre und Vereine dieser „VORZEIT" leisteten in Glück, Belastung und Leid, in Liebe zu Volk und Heimat und in Opfersinn und Treue für das Kulturgut CHORGESANG anerkennenswert viel. Auch sie erkannten: Was wäre ein Fest ohne Lieder, eine Ehrung ohne Musik, ein Gottesdienst ohne Gesang! Ihre Verdienste sind nicht Asche sondern Glut. Diese Glut möge unsere Tage besinnlicher und beherzter beeinflussen. Aber schon nach vier Jahren erschütterte der Erste Weltkrieg Deutschland und Europa und viel Herzeleid stand am Ende eines vierjährigen Ringens, viele junge Menschen mussten ihr Leben lassen und in unseren Chören entstanden schmerzhafte Lücken. Wechselvolle Jahre in Glück, Last und Leid folgten, aber immer wieder rafften sich unsere Chöre auf, bereicherten das Leben durch das Singen. Grenzen wechselten, und mancher Chor sang auch in anderen Sängerkreisen oder Gauen.

 


Heute reicht unser Gau von Empfingen bis Sigmaringen, von Schömberg bis Burladingen, und er hat in der Großen Kreisstadt Balingen seinen Sitz. Unter den 23 Gauen/Chorverbänden des SCV stehen wir mit unseren Vereinen und Chören an einer beachtenswerten Stelle in der Größenordnung und der Leistungsfähigkeit. Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches wurde auch das Vereinsleben einem völligen Niedergang zugeführt. Der Schattenwurf des Zweiten Weltkrieges erreichte eine bis dahin noch nicht gekannte Schwere. Zerstörte Städte, Millionen von Toten und unzählige Tränen und bitteres Leid standen am Ende einer Epoche. Dies wirkte auch in unsere Vereine und Chöre hinein. 1947 erfolgten ein Neubeginn und auch eine Wiedergründung unseres Gaues. Ein treuer Freundeskreis konnte gegen viele Widerstände, die zeitbedingt waren, den Zollernalbgau gründen. Die Namen, um nur einige zu nennen, Karl Seeger und Hermann Rehm aus Balingen, Karl Rauscher und Walther Groz aus Ebingen, Fritz Müller und Wolfgang Wallishauser aus Hechingen, bleiben für uns alle unvergessen.

 


Der Chorgesang blühte neu auf, in unseren Städten und Dörfern kehrte neues musikalisches Leben und damit der kulturelle Aufstieg ein. Das erste Gausängertreffen wurde 1948 der Zeitumstände wegen in Hechingen, Haigerloch und Onstmettingen durchgeführt, das erste Gauliederfest in Tailfingen. Die Überwindung des Tiefstandes zeichnete sich ab, die Demonstration des Chorgesanges und eine wieder gefestigte Gemeinschaft waren gelungen.

 


Nach dem Tod von Gaupräsident Karl Seeger im Jahre 1953 wurde Gotthilf Schmid aus Tailfingen dessen Nachfolger. Gausängertreffen und Gauliederfeste gaben Einblicke in das chorische Schaffen, markierten Formanstiege und beinhalteten wertvolle Konzertveranstaltungen. Immer wieder konnten sich Chöre durch ihr besonderes Kulturgut profilieren und ihren Ruf über Dorf und Stadt, Landkreis und Bundesland hinaus festigen und zu großartigen musikalischen Begegnungen beitragen. Die Gauchormeister Josef Kästle, Helmut Maier, Karlheinz Leis, Georg Wiedemann, Anneliese Schmid und Wilhelm Schüler mit ihrem unvergesslichen Lehrmeister Wolfgang Wallishauser gaben dem Gau mit seinen Chören bereichernde Impulse, neue Wegweisungen, großartige Konzerte und Liederabende und im Stillen viele gutgemeinte Ratschläge. Heute ist Uwe Wagner unser Gauchorleiter.

 


Nachdem Gotthilf Schmid vom „Liederkranz Tailfingen" 17 Jahre lang dem Gau mit viel Hingabe, Einsatz und freundschaftlicher Verbundenheit „seinen" Chören und Vereinen Vorstand, gab er sein Ehrenamt 1970 in jüngere Hände. Helmut Hauser vom „Sängerbund Balingen" wurde im selben Jahr mit großer Mehrheit in der Zollernalbhalle in Tailfingen zu seinem Nachfolger gewählt und zwischenzeitlich fünfmal einstimmig bestätigt. 1995 wurde Helmut Hauser Gauehrenpräsident mit Sitz und Stimme im Präsidium. Ihm folgten Wolfgang Brüderle vom „Sängerbund Balingen" und der ehemalige Bürgermeister von Gam-mertingen Erwin Hirschle. Ihm folgte 2008 unser jetziger Gaupräsident Helmut Miller im Ehrenamt.

 


Gewissenhafte Amtsführung kennzeichnen die Arbeit der beiden Spitzengremien Präsidium und Musikbeirat. Sachkenntnis, Verantwortungsbewusstsein, praktische Chor- und Vereinsarbeit, einem Kulturauftrag in Verbundenheit zu dienen, bestimmen ihre Entscheidungen und Handlungsweisen. Der Kritik von der Basis her stehen sie offen und aufgeschlossen gegenüber.

 


Die 1975 vollzogene Untergliederung des Gaues in vier Sängerbezirke hat sich bewährt. Zahlreiche Aktivitäten, ergänzende Hilfestellungen, günstige Zusammenarbeit in der Nachbarschaft und die förderliche Pflege der Sängerkameradschaft sind zweifellos Früchte dieser Bezirksbildung. Den vier Bezirksvorsitzenden aus Sigmaringen, Albstadt, Balingen und Hechingen stehen jeweils die Bezirkschorleiter mit Schriftführern und Schatzmeistern hilfreich zur Seite.

 

Gemeinschaftsveranstaltungen auf Bezirksebene weisen im allgemeinen eine hohe musikalische Qualität, gute Organisationsformen und ein vorbildliches Zusammengehörigkeitsgefühl aus.
Zur umfangreicher gewordenen Betreuung unserer Vereine wurde 1995 der Beschluss gefasst, eine Gau geschäftssteile einzurichten. Unser Gauschatzmeister Werner Schwarz erklärte sich bereit, auch das Amt des Gaugeschäftsführers zu übernehmen. Über 14 Jahre hinweg war er in Doppelfunktion erster Ansprechpartner unserer Vereine. Heute wird die Gaugeschäftsstelle von Frau Ute Wannenmacher in Bur-ladingen-Killer geführt.

 


Die Sorge um den Nachwuchs, die Förderung und Neugewinnung von qualifizierten Chorleitern, die Schulung von Vereinsvorständen und eine sorgfältige Chorauswahl und Choreinübung, auch vom Textverständnis her gesehen, bleiben unsere beständigen Aufgabenbereiche. Ansehenswahrung und Ansehensmehrung unserer Chöre und unserer Vereine bleiben stete Pflicht, Begegnungen im Chorgesang als Pflege einer überörtlichen ja internationalen Freundschaft sind eine unserer schönen Aufgaben.

 


Unsere beglückendste Aufgabe wird es aber auch im nächsten Jahrhundert unseres Sängergaues sein:
In Wort- und Tonsprache
das Stille zu bewahren,
das Müde zu erneuern,
das Große zu verehren
und das Leidende lieben zu lernen.

 


Lieder belehren nicht, sie erhellen, Lieder zerstreuen nicht, sie entzücken als Teil unseres Lebens selbst. Sie machen unsere Gesellschaft menschlich, denn sie sind eine gute Medizin gegen Missmut, Trübsinn und Einsamkeit. Daher der Zuruf an euch alle:
Bewahrt den Mut zum Weitersingen, bewahrt die Pflege von Kameradschaft und Freundschaft und bewahrt den Humor gegenüber eigenen Misserfolgen, denn es gibt auch einen „Charme des Unvollkommenen" !



Helmut Hauser, Gau-/Verbandsehrenpräsident im Jahre 2010 zum 100-jährigen Jubiläum

Impressionen vom Jubiläumskonzert im Oktober 2010

Das 10O-jährige Jubiläum wurde das ganze Jahr 2010 über mit vielen konzertanten Veranstaltungen gefeiert: es fanden Konzertveranstaltungen in allen vier Bezirken mit weltlicher und geistlicher Chormusik statt,
weiterhin gab es Freundschaftssingen einzelner Vereine und es fanden Workshops, Seminare und Fortbildungsmöglichkeiten des Gaues (Verbands) und des Schwäbischen-ChorVerbands statt.
Der Höhepunkt war aber die große Jubiläumsfeier mit einem grandiosen Jubiläumskonzert am 9. Oktober 2010 in der Stadthalle Balingen, ein krönender Abschluss bei dem alle Chorgattungen präsentiert wurden.